Curriculum zur Weiterbildung zum Individualpsycholgischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

(mind. 640 Stunden) 

 

1. ZULASSUNG UND ABSOLVIERUNG DER WEITERBILDUNG ZUM INDIVIDUALPSYCHOLOGISCHEN KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTEN

Die Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten umfasst einen theoretischen Teil im Gesamtumfang von mindestens 200 Stunden [Weiterbildungselemente P) bis R)], einen praktischen Teil von mindestens 400 Stunden [Weiterbildungselemente S) und T)] sowie selbstgewählte ergänzende Schwerpunktsetzungen von mindestens 40 Stunden [Weiterbildungselement U)].

Die Weiterbildungselemente P) bis U) können bereits vor dem Abschluss der Ausbildung zum Individualpsychologischen Analytiker belegt werden. Der Abschluss der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ist freilich erst dann möglich, wenn zuvor die Ausbildung zum Individualpsychologischen Analytiker erfolgreich beendet wurde.

Mit der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten kann ohne spezifische Rücksprache mit dem Lehrausschuß oder mit dem Vorstand des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie begonnen werden. Kandidaten und Individualpsychologische Analytiker, die den Abschluss der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten anstreben, sollten dies aber dem Vorstand des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie mitteilen.

 

2. DER THEORETISCHE TEIL DER WEITERBILDUNG ZUM INDIVIDUALPSYCHOLOGISCHEN KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTEN
(mindestens 200 Stunden)

Der theoretische Teil umfasst die Weiterbildungselemente P), Q) und R) im Gesamtumfang von mindestens 200 Stunden:

P) Literaturseminar Kinderpsychotherapie
unter Berücksichtigung von Fragen wie Angehörigenarbeit,
Kooperation mit Institutionen, etc.
(mindestens 40 Stunden).

Q) Literaturseminar Jugendlichenpsychotherapie
unter Berücksichtigung von Fragen wie Angehörigenarbeit, Kooperation mit
Institutionen, etc. (mindestens 40 Stunden).

R) Fallzentrierte Seminare über Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
unter Bezugnahme auf Fragen der Indikation und psychotherapeutischen Diagnose, der psychotherapeutischen Technik, der Angehörigenarbeit, der Kooperation mit Institutionen, etc.
(mindestens 80 Stunden).

Wurden zur Abdeckung des Ausbildungselementes O) im Rahmen der Ausbildung zum Individualpsychologischen Analytiker Seminare, Vorlesungen u.a. belegt, die auch zur Abdeckung der Weiterbildungselemente P), Q) und R) ausgewiesen waren, so können diese Seminare, Vorlesungen u.a. auf die Abdeckung der Weiterbildungselemente P), Q) und R) im Rahmen der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten angerechnet werden.



3. DER PRAKTISCHE TEIL DER WEITERBILDUNG ZUM INDIVIDUALPSYCHOLOGISCHEN KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTEN
(mindestens 400 Stunden)

Wenn Psychotherapeuten in Ausbildung zum Individualpsychologischen Analytiker in die vereinsinterne Liste jener Psychotherapeuten in Ausbildung eingetragen sind, die unter Supervision individualpsychologischpsychotherapeutisch zu arbeiten beginnen können (vgl. dazu den Kommentar in Kapitel I.2.3), so können sie auch mit dem praktischen Teil der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten beginnen. Dieser praktische Teil umfasst die Weiterbildungselemente S) und T) im Gesamtumfang von mindestens 400 Stunden:

S) Mindestens 300 Stunden psychotherapeutische Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen.

T) Diese psychotherapeutische Tätigkeit ist in zumindest 100 Stunden
Kontrollanalyse supervisorisch zu reflektieren und zu begleiten.
Dabei sollte zumindest eine längerfristige, kontinuierliche psychotherapeutische Arbeit mit einem Kind sowie mindestens eine längerfristige, kontinuierliche psychotherapeutische Arbeit mit einem Jugendlichen supervisorisch besprochen werden.
Weiters sollten im Rahmen dieser Kontrollanalysen zumindest ein Therapieanfang und ein Therapieabschluss supervisorisch besprochen werden.

Wurde im Rahmen der Ausbildung zum Individualpsychologischen Analytiker im Zuge der Abdeckung der Ausbildungselemente M) und N) bereits mit einem Kind bzw. Jugendlichen psychotherapeutisch längerfristig und kontinuierlich gearbeitet und wurde diese Arbeit mit einem Kontrollanalytiker supervisorisch besprochen, so kann dies auf die Weiterbildungselemente S) und T) im Rahmen der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten angerechnet werden.



4. SELBSTGEWÄHLTE ERGÄNZENDE SCHWERPUNKTSETZUNGEN
(mindestens 40 Stunden)

Zur individuellen Ergänzung der theoretischen und praktischen Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind Weiterbildungselemente U) im Gesamtumfang von mindestens 40 Stunden zu absolvieren:

U) Zur Abdeckung des Weiterbildungselementes U) können zusätzliche Seminare,
Vorlesungen u.ä. belegt werden, die den Weiterbildungselementen P), Q), R) oder T) zugerechnet sind. Auf das Weiterbildungselement U) sind aber auch andere Seminare, Vorlesungen u. ä. anrechenbar, die den Problembereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und dessen Randgebiete betreffen.

Zur Absolvierung des Ausbildungselements U) können auch Aus, Fort und Weiterbildungsveranstaltungen belegt werden, die nicht vom Österreichischen Verein für Individualpsychologie angeboten werden.

 

5. ABSCHLUSS DER WEITERBILDUNG ZUM INDIVIDUALPSYCHOLOGISCHEN KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTEN

Legt ein Individualpsychologischer Analytiker als ordentliches Mitglied des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie

  • die Bestätigungen über die erfolgreiche Teilnahme an Lehrveranstaltungen vor, die der Abdeckung der Ausbildungselemente P), Q), R) und U) dienen,
  • und wird von Kontrollanalytikern bestätigt, dass ein Abschluss der Kontrollanalyse [Ausbildungselement T)] im Einvernehmen zwischen Kontrollanalytiker und dem Individualpsychologischen Analytiker vorliegt,

dann wird der erfolgreiche Abschluss des theoretischen und des praktischen Teils der Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie der selbstgewählten ergänzenden Schwerpunktsetzungen vom Österreichischen Verein für Individualpsychologie nach Rücksprache mit dem Alfred-Adler-Institut bestätigt.

Im Anschluss daran ist die schriftliche Fassung einer Falldarstellung mit einem Kontrollanalytiker zu besprechen. Wird über diese Falldarstellung positiv befunden, so ist diese Falldarstellung der Vereinsöffentlichkeit zu präsentieren. Damit ist die Weiterbildung zum Individualpsychologischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten abgeschlossen. Die Absolventen dieser Weiterbildung sind als ordentliche Mitglieder des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie berechtigt, den Titel "Individualpsychologischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut / Individualpsychologische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin" zu führen.

Innerhalb des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie werden die Absolventen und Absolventinnen dieser Weiterbildung jedenfalls in die Liste Individualpsychologischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aufgenommen.