Schreibabies


Nichts enerviert und alarmiert Menschen mehr als das Weinen von Babies. Ein sofortiger Anstieg der Pulsfrequenz versetzt in Stress und Alarmbereitschaft - man will handeln und das Schreien „abstellen", das Kind beruhigen.

Das wollen Eltern von Schreibabies auch, aber vergeblich.

Von Schreibabies spricht man, wenn ein Säugling die sogenannte „Dreier-Regel" erfüllt, also

innerhalb der ersten drei Lebensmonate
mehr als 3 Stunden innerhalb von 24 Stunden täglich,
an mehr als 3 Tagen der Woche unberuhigbar weint.

Das ist nämlich das Zentrale an Schreibabies, dass sie mit herkömmlichen Beruhigungsmethoden nicht beruhigbar sind und Eltern so nachvollziehbarer Weise in einen Zustand der absoluten Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut bringen. Schuld- und Insuffizienzgefühle belasten zusätzlich die Beziehung zum Baby, nach dem Motto „Gute Eltern können ihr Baby beruhigen, also sind wir keine guten Eltern".

10-12% aller Babys sind aber solche Schreibabys, sprich, bringen aufgrund einer besonders sensiblen oder temperamentvollen Konstitution diesen Mangel an Selbstregulationskompetenz sozusagen mit. Das bedeutet aber, dass gut eine von zehn Jungfamilien statt des erhofften Familienglücks tiefe Verzweiflung und Wut erlebt. Wut, die je nach psychosozialer Kompetenz der Eltern beherrschbar ist oder ein bereits labiles System so sehr belastet, dass es zu den gefürchteten Kindesmisshandlungen kommen kann. Das beginnt oft mit dem hilflosen Schütteln des Babies bis hin zu gröberer Misshandlung mit Todesfolgen.

Hier ist Aufklärung die beste Prävention, wie man mit solchen „schwierigen" Säuglingen am besten umgehen und ihre oft verwirrenden Signale interpretieren kann. Ebenso wichtig ist es, den Eltern zu vermitteln, dass ein Schreikind nicht ihre „Schuld" ist.

So zeigt beispielsweise der Tagesablauf von Schreikindern, dass diese kaum Schlafphasen tagsüber haben (Einschlafen-können ist eine Selbstregulationskompetenz, die diese Kinder wenig ausgeprägt besitzen). Dieser Schlafmangel führt zu einer weiteren Labilität, Überreizung und Perpetuierung des Weinens. Eine Hilfestellung im Umgang mit Schreibabies bieten hier Schreiambulanzen oder auch Literatur.

Dr. Christine Sonn-Rankl
Klinische Psychologin
Individualpsychogische Analytikerin

Wilhelminenspital Wien - Kinderklinik Glanzing
Säuglingspsychosomatik mit Schreiambulanz

Literatur:
Christine Rankl (Patmos Verlag)

„So beruhige ich mein Baby.
Tipps aus der Schreiambulanz"

 

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