Der Österreichische Verein für Individualpsychologie ist in seinem aktuellen Selbstverständnis der Tiefenpsychologie verpflichtet und in seinem Kern eine psychoanalytische Gesellschaft mit einer langen eigenständigen Haltung und Tradition.
 
Die österreichische Individualpsychologie ist stark mit ihrem Begründer Alfred Adler verbunden. Alfred Adler war einer der ersten Psychoanalytiker. Von 1902 bis 1911 war er Mitglied der „Mittwochsgesellschaft", der späteren "Wiener Psychoanalytischen Vereinigung". Nach dem Ausscheiden aus dem Kreis um Sigmund Freud 1911, gründete Adler und sein Kreis einen weiteren psychoanalytischen Verein, den „Verein für freie psychoanalytische Forschung". Dieser Verein wurde, als Zeichen einer starken Abgrenzung zur Wiener und zur Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung kurze Zeit nach der Gründung in „Verein für Individualpsychologie" umbenannt.
 
So gilt im Kern auch für die heutige österreichische Individualpsychologie was Adler im Vorwort der ersten Ausgabe der "Schriften des  Vereins für freie psychoanalytische Forschung" schreibt: dass wir "das Verständnis für die Persönlichkeit aus seiner Vergangenheit und Zukunft holen wollen" und dass wir in "der Dynamik der menschlichen Psyche ... alle Richtung gegeben sehen durch ein unbewusst gesetztes, unablässig wirkendes Ziel. Von ihm stammt die Formung des Individuums, die Richtung seines Denkens und Wollens und die Abtönung seiner Persönlichkeit."