„Es kommt nicht darauf an,
was einer mitbringt,
sondern was er daraus macht.“

Alfred Adler    Mehr Information …

 

Seminar: Strukturelle Defizite als frühe Traumafolge - Akzente einer psychoanalytischen Prozessreflexion

von Dr. Renate Hochauf

Präsenzveranstaltung in Graz: SO, 27.06.2021

Schwerpunkte:
- Psychoanalytische Entwicklungskonzepte (Kurzübersicht)
- Ergebnisse der Säuglingsforschung und pränataler Psychologie und
- Epigenetische und neurobiologische Fakten der kindlichen Entwicklung
- Psychologische und neurobiologische Aspekte der Traumatisierung im Zusammenhang mit Strukturdefiziten
- Rahmen, Setting und Techniken traumakompensatorischer Interventionsmodelle

 

Die Struktur schwerer Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen ist vor allem durch einen hohen Anteil präsymbolischer Repräsentanzen und dissoziativ-spaltungsdominierter Abwehrvorgänge charakterisiert. Dies lässt den Schluss zu, dass zentrale Symbolisierungsprozesse der Selbst-Objektbeziehung im Verlauf der Strukturbildung frühzeitig und schwer behindert wurden. Dissoziative Abwehrfixierungen aber gelten unterdessen als Hinweise auf traumatische Erfahrungsanteile.
Während spätere Traumata eine hinreichend stabile Weltsicht erschüttern, werden Traumatisierungen im präsymbolischen Alter, also vom Lebensanfang bis etwa dem 2./3. Lebensjahr, in die sich bildende Erfahrungsstruktur als grundsätzliche Lebenswirklichkeit eingeschlossen. Sie können infolge ihrer dissoziativen Qualität nicht mit anderen Erfahrungen verdichtend in bewusste Strukturen integriert werden. Deshalb verblieben sie in subkortikal passiven Aktivierungsmodi fixiert und können nicht reflektiert, sondern nur reaktiviert werden. Eben deshalb können sie therapeutisch auch von dynamischen Vorgehensweisen wenig profitieren, da sie im impliziten Erfahrungsraum verbleiben, dynamische Vorgänge aber Konfliktregulationen des assoziativen Kortex voraussetzen.
Implizite Strukturen sind affektiv sensomotorische, handlungsorientierte Prägungen. Sie haben subkortikalen Eindruckscharakter und somit an sich keine dynamische Qualität – auch wenn sie nach außen eine solche Wirkung erzielen können.
Für einen solchen Prozessansatz liefern Ergebnisse der Säuglingsforschung, der Traumatherapie, neuerdings auch der Epigenetik wichtige Erkenntnisse. Besondere Bedeutung für das Prozessverständnis hat die Beschäftigung mit der neurobiologischen Gedächtnisregulation erlangt. Sie kann uns näherbringen, in welchen Funktionsebenen des Gehirns bestimmte Vorgänge der (expliziten) Konfliktdynamik ablaufen, warum diese bei strukturellen Störungen, bei frühen Bindungs- und Gewalttraumata oder gar pränatalen Erfahrungen nicht verfügbar sind, und der Erfahrungsabruf weitgehend implizit-interaktionell abläuft
Zu deren Behandlung bedarf es eines speziellen Arbeitsbündnisses, das die Parallelität von Übertragung und therapeutischer Realbeziehung unterstützen soll. Die Reaktivierung der therapeutischen Inhalte zur Rekonstruktion der traumatischen Ereignisse ist durch eine solche Rahmenkonstruktion in eine Zeitachse eingebettet. Darüber kann langfristig eine episodische Rekonstruktion und Zuordnung der präsymbolischen Übertragungen möglich werden.
Klassische therapeutische Ansätze führen bei strukturellen und Persönlichkeitsstörungen nur begrenzt zu übergreifenden Veränderungschancen.
In einem modifizierten analytischen Prozess ginge es deshalb darum, Verarbeitungsmodi von der impliziten Ebene früher Eindrucksqualitäten des Kindes bis zur assoziativ-kognitiven, expliziten Bewusstheit des reifen Gehirns zu begleiten.
Für das therapeutische Vorgehen bei frühen Traumata ist deshalb wichtig, nicht assoziativ-dynamisch zu intensivieren, wie dies bei nichttraumatischen Erfahrungen möglich ist. Vielmehr müssen sich zunächst die Interventionen an dem speziellen impliziten Abbildungscharakter anpassen, als auch für den Umgang mit Übertragungen diskutiert werden, wie in diesem Ansatz diskutiert werden soll.

 

Unter diesem Link finden Sie die Kurzbiographie von Fr. Dr. Hochauf: Biographie

6 Einheiten

Anrechenbar für: O & Fortbildung

Ort: PSZ Hasnerplatz 4, 8010 Graz

 

Das Seminar findet in Präsenz statt - sollte eine Präsenzveranstaltung noch nicht möglich sein, wird das Seminar verschoben.

 

Zielgruppe

Kandidat*innen/neu, Kandidat*innen/alt, Psychotherapeut*innen

Datum / Zeit
27.06.2021 10:00 - 15:00 Uhr
Preis90
Freie Plätze10
Veranstaltungsort
Trainer
 
Nach oben scrollen, Scroll to top
OeVIP Logo