„Es kommt nicht darauf an,
was einer mitbringt,
sondern was er daraus macht.“

Alfred Adler    Mehr Information …

 

Individualpsychologisch-orientierte Einrichtungen

Einige wichtige Einrichtungen im Bereich der psychosozialen Versorgung haben ihre Wurzeln in der Individualpsychologie bzw. sind individualpsychologisch-orientiert, wenngleich heutzutage verstärkt auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit gesetzt wird. Dazu zählen:

Child Guicance Clinic - Institut für Erziehungshilfe

Ab 1920 etablierten sich in Wien im Zuge der Schulreform immer mehr Erziehungsberatungsstellen, die auf Alfred Adlers Initiative zurückgehen und in deren Zentrum neue Methoden in Hinblick auf die Erziehung von Kindern und Jugendlichen im schulischen sowie familiären Kontext standen. Primäres Interesse galt jedoch der Zusammenarbeit zwischen Erziehungsberatungsstelle und den LehrerInnen bzw. der 13 Schulbehörden und nicht so sehr jener mit den Eltern, da Adler der Meinung war, dass „der ›Kampf gegen Verwahrlosung‹ nur in der – veränderten – Schule Aussicht auf Erfolg habe“ (Bruder-Bezzel 1999, 121). Viele dieser Erziehungsberatungsstellen waren daher auch eher „Lehrberatungsstellen“, in denen man vorwiegend darum bemüht war, die Lehrer individualpsychologisch zu schulen. Daneben gab es allerdings auch „Behandlungsberatungsstellen“, welche sich stärker an die Erziehung im familiären Kontext richteten, doch auch hier ging es keinesfalls um eine Art der Kindertherapie, sondern vielmehr sollte auch hier die Erziehung der Erzieher im Vordergrund stehen.

Heute ist das Institut für Erziehungshilfe (Child Guidance) mit seinen 5 Standorten in Wien eine Einrichtung, die psychologische Diagnostik, psychosoziale Beratung und tiefenpsychologisch orientierte psychotherapeutische Behandlungen von Kindern und Jugendlichen, mit begleitender Betreuung von Eltern oder Erziehungsberechtigten durchführt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institute sind Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, ausgebildet in einer anerkannten Psychotherapiemethode mit unterschiedlichen Herkunftsberufen (Psycholog/Innen, Ärzt/Innen, Sozialarbeiter/Innen, Pädagog/Innen etc.).

die Boje - Akuthilfe für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in Krisensituationen

Die Boje wurde nach jahrelangen Planungsarbeiten einer engagierten Projektgruppe des Vereins und Verhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse gegründet. Der Verein für Individualpsychologie errichtete 2003 das Individualpsychologische Zentrum, das als gemeinnützige GesmbH geführt wird und Träger des Ambulatoriums und einer Erwachsenenbildungseinrichtung ist.

Das Ambulatorium nahm im Oktober 2002 seinen Betrieb auf und wird seit 2006 als Krankenanstalt geführt. Es bietet seine Dienste Kindern und Jugendlichen und deren Bezugspersonen an, die von schweren Belastungen und einschneidenden traumatisierenden Lebensereignissen betroffen sind. Das niederschwellige Angebot richtet sich nach den Bedürfnissen dieser Zielgruppe und bietet rasche Hilfestellung. Ein interdisziplinäres Team bietet Krisenintervention, Diagnostik, Beratung und Therapie an. Viele der MitarbeiterInnen sind individualpsychologische PsychotherapeutInnen.

Im Dezember 2008 übernahm der neu gegründete Verein die Boje - Individualpsychologisches Zentrum die GesmbH des Vereins.

Kriseninterventionszentrum

IndividualpsychologInnen waren und sind maßgeblich am Aufbau und Weiterentwicklung des Kriseninterventionszentrums beteiligt. So gründete Erwin Ringel mit Unterstützung der Caritas der Erzdiözese Wien im Jahre 1948 die Lebensmüdenfürsorge, wo man sich sowohl Personen annahm, die einen Suizidversuch unternahmen, als auch Hinterbliebenen von Menschen, die Suizid begangen hatten. Zielsetzung und Art der Betreuung entwickelte man ständig weiter. Lag der Schwerpunkt zunächst auf der Betreuung nach einem Suizidversuch, so ging man immer mehr dazu über, einen eher präventiven Ansatz zu verfolgen und auch Interventionen bei akuten psychosozialen Krisen anzubieten.

1975 kam es zur Loslösung aus dem Verband der Caritas und der Verein „Kriseninterventionszentrum" wurde gegründet. Die Vorstandsvorsitzenden waren Erwin Ringel, Walter Pöldinger ab 1994 und Gernot Sonneck ab 1999. Seit 1977 ist das Kriseninterventionszentrum schließlich eine selbständige Institution im rechtlichen Status einer privaten Krankenanstalt, wobei der Verein „Kriseninterventionszentrum" als Rechts- und Kostenträger fungiert. Es steht aber auch in enger Verbindung zur Abteilung für Krisenforschung des Ludwig Boltzmann-Instituts für Sozialpsychiatrie, so dass neben der praktischen Tätigkeit des multiprofessionellen Teams auch auf wissenschaftlichem Gebiet gearbeitet werden kann.

Heute ist das Kriseninterventionszentrum eine Ambulanz zur Bewältigung von akuten psychosozialen Krisen und Krisen mit hohem Suizidrisiko und/oder drohender Gewalt, wobei die Unterstützung durch Beratung, psychotherapeutische Interventionen, Kurztherapien und begleitender medizinischer Hilfe weitgehend kostenlos angeboten werden kann. Dies ermöglicht auch jenen Personen Zugang zu Psychotherapie, die sich dies sonst nicht leisten könnten oder im bestehenden Betreuungsnetz keinen Platz finden. Zudem ist es den MitarbeiterInnen wichtig, dass Personen in Krisen rasch das Angebot des Kriseninterventionszentrums nutzen können, weshalb Erstgespräche ohne Voranmeldung und Warteliste geführt werden können.

Oskar Spiel Schule

Die Oskar Spiel Schule ist eine öffentliche Volksschule mit individualpsychologischem Schwerpunkt. Sie wird von der Individualpsychologin Ulrike Madzar geleitet und wurde 1988 von Heide Rosenmayr, in Anlehnung an die Versuchsschulen von Oskar Spiel, gegründet.

Das Team dieser Schule sieht Lernen als lebenslangen, kontinuierlichen, andauernden Prozess. Emotionalität und Kognitives werden gleich gewichtet, jedes Individuum als unteilbares Ganzes betrachtet und erlebt. Alle im Haus lernen voneinander, das schließt die Erwachsenen mit ein. Gemäß dem individualpsychologischen Schwerpunkt finden im Schulalltag wöchentliche Teambesprechungen, Supervisionen, Intervisionen und Fortbildungen statt. Der Mehraufwand an Zeit wird belohnt durch eine hohe Zufriedenheit der Teammitglieder mit der Qualität ihrer Schule. Die Betreuung von verschiedenen Kindern mit besonderen emotionalen und sozialen Problemen durch einen konstant anwesenden und im Team integrierten Psychagogen wird als fruchtbringende Notwendigkeit erlebt.

1995 wurde im Zuge der Schulentwicklung eine mehrstufige, therapeutische Kleinklasse, die „Intensivlernklasse" gegründet und das Konzept stetig weiter entwickelt. Hier kommen SchülerInnen der unterschiedlichen Jahrgangsstufen, die spezielle Bedürfnisse haben oder oftmals auch traumatisiert sind, zusammen. Sie können aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in einer großen Gruppe unterrichtet werden. Das Ziel der Arbeit in der Intensivlernklasse ist der Wechsel in eine Regelklasse mit den üblichen etwa 25 Kindern.

 
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